Fiat DINO Spider

Mitte der 1960er-Jahre stand Ferrari vor einem Problem: Um mit seinem Einsitzer Dino 166 in der Formel 2 starten zu können, war es erforderlich, einen neuen Motor zu homologieren. Änderungen im Reglement der FIA sahen vor, dass ein Aggregat mit 1,6 Liter Hubraum und maximal sechs Zylindern zum Einsatz kommt. Das allein wäre für die Scuderia kein Problem gewesen, schließlich hatte man mit dem Dino-V6 einen passenden Motor zur Hand. Das Aggregat war nach dem Kosenamen von Enzo Ferraris Sohn Alfredo Ferrari benannt. Der junge Ingenieur war maßgeblich an der Entwicklung des Motors beteiligt, verstarb jedoch viel zu früh im Alter von nur 24 Jahren an Muskelatrophie.

Der Motor allein war nicht das Problem, denn das Reglement der FIA sah zudem vor, dass der Motorblock aus einem Serienfahrzeug stammen muss, das innerhalb eines Jahres mindestens 500 Mal verkauft wird. Für den damals noch kleinen Sportwagen-Hersteller aus Maranello war das eine schier unlösbare Aufgabe. Niemals hätte man in dieser Zeit allein 500 Fahrzeuge bauen und verkaufen können. Um das Ziel der Formel 2 Teilnahme dennoch zu erreichen, entschied sich Ferrari für eine umfangreiche Kooperation mit dem Turiner Autobauer Fiat.

 

Kooperation: Fiat baut Dino Spider und Coupe mit Ferrari-Motor

Fiat-Firmenoberhaupt Gianni Agnelli, der als guter Freund Ferraris bekannt war, entschied persönlich, den V6-Motor in einem eigenen Serienfahrzeug einzusetzen. Aus dem einen wurden am Ende sogar zwei: der Dino Spider und das Dino Coupe. Mit dem Design des Spiders beauftragte Fiat niemand Geringeres als den Turiner Karosseriebauer Sergio Pininfarina. Das Coupe entstand hingegen bei Mitbewerber Bertone. Parallel zum Design kümmerte sich Fiat darum, den reinrassigen Sportwagen-Motor der Scuderia alltagstauglich zu machen. Diese Aufgabe übernahm Motoren-Konstrukteur Aurelio Lampredi, der zuvor auch schon für die Scuderia tätig war. Er vereinfachte unter anderem den Kettentrieb der Nockenwellen und die Ventilspieleinstellung.

 

1966: Der Dino Spider wird der Weltöffentlichkeit präsentiert

Bereits 1966 konnte Fiat den Dino Spider auf der Turiner Motor Show präsentieren. Das kurvige Design des 4,10 Meter langen Cabrios wusste zu gefallen und auch die Leistungsdaten des oft als "Ferrari für jedermann" bezeichneten Wagens konnten sich sehen lassen: Nach der Überarbeitung durch Lampredi leistete der Sechszylinder-V-Motor stolze 160 PS bei 7200 U/min und brachte es auf eine Höchstgeschwindigkeit von 210 km/h. Für die damalige Zeit beeindruckende Werte. Ferrari brachte derweil den ebenfalls aus der Feder von Pininfarina stammenden Dino 206 GT auf den Markt. Der Wagen entstand um den identischen Motor wie der Dino Spider von Fiat, dennoch wies der Hersteller aus Maranello eine Leistung von 180 PS aus. Wahrscheinlicher ist aber, dass die Leistung der beiden auf derselben Fertigungslinie entstandenen Aggregate gleich war.

 

1969: Produktion des 2400er-Modells wechselt von Fiat zu Ferrari

Das Ziel der Homologierung konnte Ferrari dank des von Fiat gebauten Dino Spider und Coupe erreichen. Beide Fahrzeuge verkauften sich gut. 1969 stand eine Überarbeitung an, die unter anderem einen leistungsstärkeren Motor umfasste. Diese ging mit einem Wechsel der Produktion von Spider und Coupe von Fiat in Turin zu Ferrari in Maranello einher. Das neue Aggregat leistete nun 2,4 Liter, bestand anstelle von Aluminiumguss aus kostengünstigem Grauguss und leistete 180 PS bei 6600 U/min. Parallel dazu entwickelte Ferrari seinen 206 GT weiter und brachte den überarbeiteten 246 GT auf den Markt.

 

Dino Spider 2400 bietet mehr Leistung und besseres Handling

Der Dino Spider 2400 bot aber nicht nur mehr Leistung, sondern auch ein besseres Handling. Denn zuvor bekam der - wie viele Ferrari zu dieser Zeit - hinten mit einer Starrachse ausgestattete Spider beim Anbremsen schnell ein leichtes Heck. Das sorgte für brenzlige Situationen, in denen der Spider schwer einzufangen war. Mit der neuen Einzelradaufhängung, die aus dem Fiat 130 stammte, sollte sich das ändern. Gleichzeitig erhielten das Cabrio und das Coupe Bremsen von Girling (wurden auch von De Tomaso und Lamborghini verwendet) und ein manuelles 5-Gang-Getriebe von ZF, das auch von Aston Martin verbaut wurde.


1972: Ferrari stellt die Produktion des Spiders ein

An den kommerziellen Erfolg der ersten Baureihe konnte das 2400er-Modell nicht heranreichen. Ein Grund war sicher der Preis, der mit 20.000 DM für die damalige Zeit alles andere als ein Schnäppchen war. Im Jahr 1972 stellte Ferrari die Produktion schließlich nach nur 424 gebauten Exemplaren ein. Die geringe Stückzahl hat das Cabrio jedoch zu einem sehr begehrten Sammlerstück gemacht, das in Auktion Höchstpreise erzielt. Auf dem Klassikermarkt sind gut erhaltene Autos kaum unter 150.000 Euro zu bekommen. Für Exemplare in erstklassigem Zustand wurden sogar Preise bis 200.000 Euro bezahlt. Damit liegen die Preise deutlich über dem häufiger verkauften Coupe, das bereits ab etwa 40.000 Euro in gutem Erhaltungszustand zu haben ist.

Wer viel Glück hat und sich nicht vor einer Restaurierung scheut, kann auch zu einem weniger gut erhaltenen Exemplar greifen. Die gute Versorgung mit Ersatzteilen für den Klassiker ermöglicht es, auch Fahrzeuge in schlechtem Zustand wieder zu echten Schätzen zu machen und entweder selbst zu fahren oder gewinnbringend zu verkaufen.

 

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