Ferrari 308

Im Jahr 1973 präsentierte Ferrari in Paris mit dem Dino 308 GT4 einen Nachfolger für den erfolgreichen Dino 246 GT. Doch der erste mit einem serienmäßigen Achtzylinder ausgestattete Sportwagen aus Maranello fand bei den Liebhabern der Marke nur wenig Anklang. Ein Grund war sicher, dass das von der Autopresse als "gewöhnungsbedürftig" bezeichnete Design des 308 GT4 nicht - wie beim 246 GT und anderen Modellen - aus der Feder von Sergio Pininfarina, sondern von Bertone stammte. In der Folge gingen die Verkaufszahlen des als 2+2-Sitzer konzipierten und nur als Coupe erhältlichen Dinos schon kurz nach seiner Einführung zurück. Heute hat der 308 GT4 eine große Fangemeinde und gilt für viele Automobildesigner als Referenzobjekt.

Enzo Ferrari reagierte schnell auf die sinkenden Verkaufszahlen des 308 GT4. Der Firmenchef beauftragte Pininfarina, schnellstmöglich einen in den Augen der Ferraristi würdigen Nachfolger für den legendären Dino 246 GT zu entwerfen. Das Ergebnis präsentierte Ferrari bereits auf dem Pariser Automobilsalon 1975 mit dem 308 GTB (Gran Turismo Berlinetta). Das keilförmige Design des gerade einmal 1,12 Meter hohen 2-Sitzer-Coupes gab sich sofort als waschechter Ferrari zu erkennen und enthielt deutliche Designanleihen des 246 GT. Diese finden sich unter anderem an den doppelten Rückleuchten, den Auskehlungen an den Türen und dem von abfallenden Streben eingerahmten, stehenden Heckfenster. Anders als beim 308 GT 4 waren Fachpresse und Kunden auf Anhieb vom Design des von Pininfarina gezeichneten Ferrari 308 GTB begeistert.

Unter der Haube des 308 GTB werkelte das nahezu identisch aufgebaute V8-Triebwerk aus dem Dino 308 GT 4. Das quer eingebaute Aggregat mit Trockensumpfschmierung (außerhalb Europas kam eine Nasssumpfschmierung zum Einsatz) brachte es bei 2.926 ccm Hubraum auf eine Leistung von 255 PS (in den USA 240 PS). So erreichte das Coupe eine Spitzengeschwindigkeit von 255 km/h. Über das optionale Zubehör hatten Kunden die Möglichkeit, die Leistung mit Extras wie einer Sportauspuffanlage zu steigern.

Was jedoch nicht auf den ersten Blick erkennbar war, war das Material, aus dem die Karosserie des 308 GTB bestand. Dabei handelte es sich nicht um Aluminium oder Stahlblech, sondern erstmals um glasfaserverstärkten Kunststoff, kurz GFK - damals eine Premiere für einen Straßen-Ferrari. Der Grund für die ungewöhnliche Materialwahl war wahrscheinlich dem Zeitdruck geschuldet, denn die Formen für GFK ließen sich schneller herstellen als die Presswerkzeuge für eine Karosserie aus Stahlblech. Mit steigenden Verkaufszahlen des 308 GTB beendeten die Italiener im Jahr 1977 ihr Glasfaser-Experiment und stellten auf Stahlblech um, da dies bei größeren Fertigungszahlen zu einer deutlichen Zeitersparnis führte.

 

Einführung des 308 GTS sorgt für Open-Air-Fahrspaß

Im Jahr 1977 erfüllte Ferrari auf der IAA in Frankfurt mit der Präsentation des 308 Spider den Wunsch vieler Kunden nach einer offenen Variante des 308 GTB. Optisch unterscheidet sich der 308 GTS nur in wenigen Details wie dem abnehmbaren und auf dem Rücksitz verstaubaren Targadach und den unter schwarzen Kunststoffabdeckungen versteckten Dreiecksfenstern von seinem Bruder. Unter der vorklappbaren und abschließbaren Abdeckung verbarg sich unter anderem der Tankdeckel des Sportwagens.

Anders als der 308 GTB kam der Targa direkt mit einer - bis auf die Aluminium-Frontabdeckung - Stahlkarosserie auf den Markt. Die für den damals rasant an Bedeutung gewinnenden US-Markt gefertigten 308 Targa-Modelle waren an den auffälligen Gummi-Frontstoßstangen und den seitlichen Markierungsleuchten an den Kotflügeln zu erkennen. Im Heck des 308 GTS arbeitete der V8-Motor aus dem 308 GTB, der ebenfalls wieder rund 255 PS leistete.

 

308 GTBi/GTSi kommt mit sauberem Motor und weniger Leistung

Im Jahr 1980 stellte Ferrari eine überarbeitete Variante von Coupe und Spider vor. Die Änderungen betrafen in erster Linie das Triebwerk, das die Ingenieure aus Maranello vom traditionellen Vergaser auf die moderne Einspritztechnik umstellten. Damit sanken der Verbrauch und der Schadstoffausstoß des V8-Motors, allerdings büßte er auch spürbar an Leistung ein. Statt wie zuvor 255 PS, brachten es das überarbeitete Coupe und der Spider nur noch auf 160 kW (217 PS). Schon mit Einführung des neuen Modells begann Ferrari damit, einen leistungsstärkeren Motor für den 308 zu entwickeln.


308 GTB/GTS Quattrovalvole bringt die Leistung zurück

Das Triebwerk in der Coupe- und Spider-Variante des Quattrovalvole war weitgehend identisch mit dem aus dem 308 GTBi/GTSi, bis auf die Tatsache, dass es nun vier Ventile pro Zylinder gab. Das bescherte dem Coupe und dem Spider eine Leistung von 240 PS in der EU- und 235 PS in der US-Version und eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 259 km/h. Im Aggregat des Ferrari 308 GTB/GTS Quattrovalvole arbeiteten eine K-Jetronic-Einspritzanlage von Bosch und eine elektronische MED 803 A Zündanlage von Marelli mit Verteiler, Zündspule und Zündmodul für jede Zylinderreihe. Die US-Modelle besaßen ab Werk einen Katalysator.

1985 endete die Ära des 308 GTB/GTS. Ihr Motor mit der Vierventiltechnik bildete die Grundlage für den Nachfolger Ferrari328, der ebenfalls als Berlinetta und Targa erhältlich war, allerdings mit 3,2 Litern über einen größeren Hubraum verfügte.

Unvergessen: Der Ferrari 308 GTS als Dienstfahrzeug von Tom Selleck

Von 1980 bis 1988 tauchte ein Ferrari 308 Spider in der US-Detektivserie "Magnum P.I." als Dienstfahrzeug von Privatermittler Thomas Magnum (gespielt von Tom Selleck) auf. Angeblich sollen sich die Macher der weltweit erfolgreichen TV-Serie auch ohne finanzielle Zuwendung von Ferrari für den 308 GTS entschieden haben. Und das, obwohl andere Hersteller bereit waren, für eine Produktplatzierung tief in die Marketing-Kasse zu greifen. Dem Spider verhalf das zum Kultstatus, noch heute gelten die 308 GTS als "Magnum Ferrari". Vom Beginn bis zum Ende der Serie soll Selleck - je nach Quelle - sieben bis 17 Fahrzeuge verwendet haben. Ein Teil davon landete bei Sammlern. Im Jahr 2017 tauchte ein gut erhaltener 308 Spider Quattrovalvole aus der Serie in einer Auktion von Bonhams auf. Mit 60.000 Kilometern auf dem Tacho erzielte der Wagen die Rekordsumme von umgerechnet rund 180.000 Euro.


Marktsituation von 308 Coupe und Spider

Gut erhaltene 308 sind ab etwa 60.000 Euro erhältlich. Für sehr gut erhaltene Exemplare gibt es auf dem Markt Angebote für rund 100.000 Euro. Weniger gut erhaltene Autos gibt es bereits für 40.000 Euro. Der Spider ist dabei tendenziell teurer als das Coupe. Doch egal ob Coupe oder Spider - die Ersatzteilversorgung des Modells ist nicht zuletzt dank vieler engagierter Liebhaber gut.

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