Under Pressure
Viele denken bei "Under Pressure" an den Song von Queen aus dem Jahr 1981. Der Dinoexperte weiß es besser: Der Begriff tauchte schon 1969 auf, als man bei Fiat plötzlich fand, dass der vom Motor erzeugte Unterdruck im Ansaugtrakt nicht mehr reicht, um den Bremskraftverstärker zu versorgen.
Aber der Reihe nach. Wie funktioniert ein Bremskraftverstärker überhaupt?
Er besteht aus zwei Kammern, getrennt durch eine Membrane.
Die Seite, an der der Hauptbremszylinder sitzt, heißt Vakuumkammer.
Dort ist der Unterdruckschlauch angeschlossen, der auf der anderen Seite an der Ansaugbrücke der Vergaser hängt.
Dazwischen sitzt ein Rückschlagventil, das dafür sorgt, dass nur in die richtige Richtung gesaugt wird.
Im Normalzustand, also bei nicht getretenem Bremspedal, ist die Vakuumkammer über einen Kanal mit der Arbeitskammer verbunden – auf beiden Seiten herrscht der gleiche Unterdruck, es passiert schlicht nichts. Tritt man auf die Bremse, schließt sich dieser Kanal, und die Arbeitskammer öffnet sich stattdessen nach außen: Atmosphärischer Druck strömt ein. Die Membrane schiebt dadurch einen Stößel in den Hauptbremszylinder und unterstützt so die Bremsung.
Klingt eigentlich rundum vernünftig gelöst – und man fragt sich, was die Ingenieure bei Fiat geritten hat, hier noch eine zusätzliche Unterdruckpumpe samt Vorratsbehälter draufzusatteln. Uns fällt dazu nur ein einziges realistisches Szenario ein: Jemand fährt einen langen Berg hinunter, nimmt den Gang raus, lässt den Motor im Leerlauf tuckern und bremst dafür ununterbrochen durch. Erstens fährt man so schlicht nicht, und zweitens wird die Bremsleistung bei mangelndem Unterdruck nicht schlechter – man muss nur beherzter aufs Pedal treten. Bei Fiat wollte man den Kunden aber offenbar nicht erklären, wie man bergab fährt, sondern lieber das "Problem" technisch erschlagen. Also baute man ein:
Die Pumpe läuft elektrisch und springt an, sobald der Unterdruck im System zu niedrig wird. Unterdruck zu erzeugen ist deutlich diffiziler als Überdruck zu erzeugen: Die Pumpe musste erstens gut geschmiert werden und durfte zweitens nicht zu lange laufen. Also wurde sie kurzerhand in den Ölkreislauf des Motors eingebunden – über diese Schläuche:
Dauerbetrieb ist für die Pumpe nicht vorgesehen, sie soll nur bei Bedarf einschalten. Das übernimmt der Druckschalter #4216460. Für den Fall, dass etwa eine Leckage im Unterdrucksystem die Pumpe unentwegt zum Weiterlaufen animiert, gibt es zusätzlich einen Zeitschalter (Fiat #15186001), der die Pumpe nach einer bestimmten Zeit abschaltet – auch wenn der Unterdruck noch nicht ausreicht. Es wurde also einiger Aufwand betrieben, um die Vakuumpumpe zu schonen. Verständlich, denn Ersatz gibt es dafür nicht – weder für die Pumpe selbst noch für Druckschalter oder Zeitschalter. Sollte sich daran etwas ändern, erfahren Sie es hier zuerst.
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